
| 30.9.2002:Ich wurde nachts durch Schmerzen im Rücken wach. Ich drehte mich hin und her, doch es wurde nicht besser. Die Müdigkeit siegte jedoch irgendwann. Als René aufstand, wurde ich wach und hatte immer noch diese Schmerzen im Rücken. René fragte besorgt, ob er denn besser bleiben sollte, doch ich sagte, dass er das nicht brauche. Ich machte mir ein Körnerkissen heiß und verschwand wieder im Bett. Die Wärme tat gut, doch die Schmerzen blieben mir weiterhin erhalten. Ich hielt den Tag über Ruhe, blieb lange im Bett und danach auf der Couch- doch gegen 17.00 Uhr reichte es mir- dieser ewige Schmerz ging mir langsam auf die Nerven. Ich fing an zu weinen und war froh, als René gegen 17.30 kam. Um 18.00 rief ich meine Hebamme an, da ich wissen wollte, ob das normal ist und ob man etwas machen kann. Sie sagte, ich solle doch einfach kommen, sie würde mich untersuchen und dann wüssten wir mehr. Gesagt, getan und somit fuhren wir los. Der Wehenschreiber zeigte ganz kleine Ausschläge und der Muttermund war 2 cm offen. Sie sagte, es würde alles gut aussehen und es könnte evtl. bald losgehen. Für´s Krankenhaus sei es aber noch viel zu früh, doch das könne sich gegen Abend natürlich ändern, sagte sie mit einem Lächeln im Gesicht :-). Sie gab mir ein homöopathisches Mittel mit, das ich jede Stunde nehmen sollte und dann noch Geburtsöl, mit dem René mich massieren könnte. Dann gab sie mir noch den Rat, ein Bad mit einigen Tropfen Geburtsöl zu nehmen. Zu Hause angekommen, legte ich mich gleich in die Wanne und fand es klasse- die Schmerzen waren sogar kurzfristig ganz weg. Dafür kamen sie um so heftiger, als ich die Wanne verlassen habe. Ich packte langsam meine Sachen für´s Krankenhaus zusammen, aß noch ein Brot und versuchte immer wieder mich zu entspannen, doch das klappte nicht richtig. Um 21.00 Uhr konnte ich nicht mehr und wir fuhren nach Wiesbaden ins Krankenhaus. Die Fahrt war nicht sehr angenehm, da mir alle paar Minuten so sehr das Kreuzbein weh tat, dass mir das Sitzen sehr schwer fiel. Um 21.30 standen wir vor dem Kreissaal und klingelten. Wir wurden sehr nett empfangen und gleich in einen der Geburtsräume gebracht . Dort machte die Hebamme ein CTG und danach untersuchten sie mich. Sie meinte, die Wehen wären noch zu gering und der Muttermund erst 2 cm offen, ich solle noch einige Stunden auf die Wochenstation oder noch mal nach Hause fahren. Also packten wir unsere Sachen und fuhren wieder nach Hause. Auf der Rückfahrt kamen die Schmerzen wieder stärker. Die Nervosität und die Angst im Krankenhaus hatten wohl die Schmerzen ein wenig abklingen lassen. Zu Hause angekommen, machten wir uns fertig für´s Bett- wir dachten, dass ein wenig Schlaf und Ruhe ganz gut wären, bevor alles losging. Tja, ich war müde und hätte auch gern geschlafen, doch die Schmerzen ließen mich nicht zur Ruhe kommen, es wurde immer stärker und zu alle dem wurde mir nun auch noch übel und ich musste mich ständig übergeben. Also stand ich wieder auf und drehte meine Runden im Wohnzimmer- zwischendurch versuchte ich mich immer mal wieder zu legen. René massierte mich ganz lieb am Kreuzbein. Nach ein paar Stunden war ich ziemlich fertig, ich hatte kaum noch Kraft und war sehr müde. Ich sagte, dass ich es nicht mehr bis Wiesbaden schaffen würde und nun zu Hause bleiben wolle. Daraufhin bekam René ein wenig Angst, was ich auch sehr gut verstehen kann. Er rief meine Eltern an und überredete mich die Fahrt zu wagen. Mein Vater fuhr uns, damit René während der Wehen mich am Rücken massieren konnte und mein Bruder fuhr mit unserem Auto hinterher, damit wir für die Heimfahrt nach der Geburt ein Auto in Wiesbaden hatten. Um 5.30 Uhr standen wir nun wieder vor dem Kreissaal und klingelten. Die Hebamme, die uns aufmachte, kannte uns noch. Diesmal brachte sie uns in einen anderen Geburtsraum, schloss mich wieder ans CTG und wollte dann die Hebamme der nächsten Schicht zum untersuchen schicken. Nach 40 Minuten CTG hätte ich am liebsten geweint, ich konnte nicht mehr liegen, da mir der Rücken so sehr weh tat und mir wieder unheimlich schlecht wurde. Zum Glück kam dann eine Hebamme, die mich befreite und mich untersuchte. Wir schauten sie voller Hoffnung an, doch sie meinte, der Muttermund ist immer noch nicht viel weiter auf. Das war ein Schlag für mich- die Schmerzen müssen sein, das war mir klar, doch dann sollten sie doch auch etwas bringen und das taten sie eben nicht. Die Hebamme sagte, ich hätte ständig Wehen, doch die wären insgesamt zu klein, um den Muttermund zu öffnen. So ein Mist, dann könnten die Wehen doch auch aufhören, wenn sie eh nichts bringen, doch das taten sie auch nicht... Die Hebamme schlug vor, dass wir 2 uns noch mal hinlegen sollten und versuchen zu schlafen. Sie brachte uns ins "Wehenzimmer", ein sehr gemütliches Zimmer mit einem 140cm breitem Bett, Ratansessel, TV usw. Wir legten uns und ich konnte sogar 30 Minuten lang etwas ruhen, bevor die Schmerzen wieder stärker wurden und ich mich wieder übergeben musste. Also stand ich wieder auf und ging auf den Gang, auf dem mich die Hebamme mit einem fröhlichen guten Morgen begrüßte. Ich war mittlerweile sehr schwach und berichtete ihr alles. Wir zogen dann wieder in das Geburtszimmer um und es folgte wieder eine Untersuchung durch die Hebamme. Der Muttermund hatte sich nur ein klein wenig mehr geöffnet, doch es würde noch einige Zeit dauern. Die Hebamme rief den Arzt, der mir eine Kanüle legte. Da ich keine Nahrung mehr in mir hatte und auch nicht in mir behielt, bekam ich eine Glukoseinfusion, damit mein Kreislauf nicht schlapp machte. Die Infusion war gut, denn ich bekam wieder ein wenig mehr Kraft. Danach schlug mir die Hebamme ein Bad vor, was ich gerne annahm. Es war ein kleiner Raum mit einer Badewanne an einer Spiegelwand. Den Raum erhellten viele kleine Kerzen und es roch sehr angenehm nach dem Badezusatz. Ich stieg in die Wanne und genoss das warme Wasser und die Atmosphäre. René war zum Glück ständig bei mir und saß nun auf einem Hocker neben mir. Die Wehen waren in der Wanne erträglicher, so dass ich auch wirklich ein wenig entspannen konnte. Nach über 1 Stunde verlies ich dann die Wanne und merkte schon beim Abtrocknen den Unterschied- die Schmerzen wurden gleich wieder stärker. Ein weiteres CTG und eine Untersuchung durch die Hebamme ergaben, dass der Muttermund nun 4cm offen sei. Ich dachte, das darf nicht wahr sein- dann fehlten ja immer noch 6cm... Nun versuchte ich eine andere Variante und lief viele, viele male den Gang auf und ab. Sobald jedoch eine Wehe kam flüchtet ich ins Zimmer, damit ich mich abstützen und von René massieren lassen konnte. Nach einiger Zeit kam die Hebamme mit dem Vorschlag, mich an den Wehentropf zu hängen. Gesagt, getan... Sie stellten es sehr gering ein und es passierte rein gar nichts, daraufhin stellten sie es etwas höher und dann hatte ich "Dauerwehen" ohne Pause, was auch nichts brachte. Also, wurde der Wehentropf nach einiger Zeit wieder abgehängt. Mittlerweile wechselte wieder die Hebammenschicht und 2 neue Hebammen stellten sich vor. Sie kamen in den Raum, als René und ich uns im Arm hielten und beide weinten. Wir waren mittlerweile beide ziemlich fertig und erschöpft. Die Hebammen trösteten uns und versprachen, gleich nach der Übergabe zu uns zu kommen. Dies dauerte jedoch doch etwas länger, da in einem anderen Raum wohl gerade ein Baby zur Welt kommen wollte. Man hörte eine Frau schon seit einiger Zeit schreien und dann auch irgendwann ein Baby. Ich war neidisch, diese Frau hatte nun ihr Baby in den Armen- ich fragte mich, wann unser Schatz wohl bei uns sei. Ich versuchte wieder ein wenig zu laufen, doch diese wahnsinnigen Rückenschmerzen waren fast unerträglich, zum Glück war René ständig bei mir und hat mir somit immer wieder Kraft gegeben. Dazu hat er mir ständig den Rücken (das Kreuzbein) massiert, damit ich die Schmerzen einigermaßen aushalten konnte. Nach einiger Zeit kam endlich die Hebamme. Sie schlug vor, mir eine schmerzlindernde Spritze zu geben, damit ich etwas entspannen könne. Ich war mir nicht sicher, da ich Angst hatte, dass dem Kind etwas passieren könnte und wartete erst einmal ab. Nachdem die Schmerzen aber ständig blieben und ich keine Kraft mehr hatte, lies ich mir die Spritze geben. Nach 15 Min. verschwanden tatsächlich die Schmerzen- ich spürte zwar noch die Wehen, doch ohne Schmerzen im Rücken *freu*. Ich konnte mich somit legen, ohne dass mir übel wurde und das taten wir dann auch, wir legten uns gemeinsam auf die Geburtsliege und ruhten uns ein wenig aus. Ich konnte sogar ein paar Minuten schlafen und wieder ein wenig Kraft sammeln. Nach 45 Min. kamen allerdings die Schmerzen langsam wieder zurück. Ich musste auf die Toilette und bemerkte dann beim Aufstehen noch ziemlich stark die Wirkung der Spritze- ich kam mir vor, als wäre ich betrunken. Ich konnte kaum geradeaus gehen, selbst nach 30 Min. hatte ich immer noch Schwierigkeiten... Nachdem die Schmerzen wieder richtig stark waren, musste René wieder dran glauben und massierte mich während der Wehen. Ich wurde immer schwächer- René aß zwischendurch etwas, doch ich konnte nicht, da mein Magen das nicht wollte. Nach einem weiteren CTG und einer Untersuchung, die nicht viel Fortschritte zeigte, riet mir die Hebamme zu einer PDA, die ich allerdings sofort ablehnte. Ich muss zugeben, ich hatte Angst davor. Aufgrund meiner starken Skoliose hatte ich Angst, dass die Ärzte nicht den Kanal finden und zudem wollte ich gleich nach der Geburt nach Hause und das geht bei einer PDA nicht. Die Hebamme wollte mich noch überreden, doch merkte bald, dass es keinen Sinn hat :-). Ich entschloss mich dann noch mal in die Wanne zu steigen. Das warme Wasser, die Kerzen und der Duft taten mir wieder gut. Die Wehen waren zwar diesmal stärker zu spüren als beim 1. mal in der Wanne, doch immerhin besser als an "Land". Im Kreissaal war es mittlerweile ruhig geworden. 3 Kinder sind in der Zeit, die wir nun dort waren zur Welt gekommen und ich war nun noch die Einzige, die dort war. Die Hebammen nutzen die Zeit und bestellten sich etwas Leckeres bei einer Pizzeria und fragten auch René, ob er denn etwas mitbestellen wolle. Nach einiger Zeit kam der Pizzadienst und die Hebammen ließen es sich in ihrem Aufenthaltsraum schmecken, während René seinen Salat, auf einem Hocker neben meiner Wanne sitzend, genoss. Nachdem alle satt waren [außer ich :-)] und ich schon fast Schwimmhäute an den Fingern hatte, entschloss ich mich, die Wanne wieder zu verlassen. Die Schmerzen waren in der Wanne schon ziemlich stark, doch beim Aufstehen kam ich dann ins zweifeln, ob ich wirklich aus der Wanne wollte, da die Schmerzen sofort viel stärker wurden. Ich trocknete mich ab, zog mich an und ging dann wieder in das Geburtszimmer und fragte, die Hebamme, ob ich nochmals eine schmerzlindernde Spritze bekommen könne. Doch die Hebamme wollte erst ein CTG machen, bevor sie mir nochmals etwas spritzen wollte. Also musste ich mich wieder legen und abwarten. Während der Wehen wurde mir wieder so übel vor Schmerzen und ich war froh, als endlich die 30 Minuten vorbei waren und die Hebamme mich vom CTG erlöste. Sie sagte, dem Kind gehe es gut und sie könne mir nochmals eine Spritze geben, doch zuvor wolle sie mich noch untersuchen. Sie zog sich also wiedermal einen Handschuh an und fühlte, wie weit der Muttermund sich nun geöffnet hatte. Plötzlich schaute sie erschrocken, sagte mist, nun habe ich die Fruchtblase aus versehen gesprengt... Ich bemerkte es dann auch, da es plötzlich ziemlich feucht wurde... :-). Sie sagte, das wäre aber nicht schlimm und der Kopf des Kindes sei auch schon fest im Becken , so dass ich mich auch weiterhin bewegen durfte. Danach gab sie mir noch eine Spritze und lies uns dann erst mal wieder alleine. Jedoch nicht lange, denn die Wehen wurde nun von Minute zu Minute stärker und die Pausen wurden immer kürzer und deshalb kam die Hebamme bald schon wieder zum untersuchen und sagte dann mit voller Begeisterung, dass der Muttermund offen sei. Das waren die schönsten Worte, die ich seit langem gehört hatte, auch wenn es mir nicht wirklich gut ging. Ich stand auf und legte mich mit dem Oberkörper über die Geburtsliege, doch ich hatte keine Kraft mehr zum stehen und legte mich dann doch bald wieder auf den Rücken. Ich hatte wahnsinnig starke Rückenschmerzen und drückte mir ständig ein Kirschkernkissen gegen das Kreuzbein und mit dem Gegendruck den Schmerz ein wenig zu verringern. Nach kurzer Zeit meinte die Hebamme, ich solle bei der nächsten Wehe feste mitdrücken und ich tat es. Mir war eigentlich alles egal, ich wollte nur, das endlich alles vorbei sei, die Rückenschmerzen nicht mehr wären und ich unseren kleinen Schatz im Arm halten würde. Nach 30 Minuten Presswehen dachte ich, ich hätte Drogen genommen, denn das ganze Zimmer drehte sich und ich dachte, ich würde jeden Moment Ohnmächtig werden. Die Hebamme ging daraufhin raus und besorgte mir Traubenzucker, den sie mir dann gleich Esslöffelweise in den Mund schob und mir netterweise noch ein Glas zum runterspülen gab...:-). Nach kurzer zeit kam noch ein Arzt dazu, der ein wenig helfen sollte, da unser Schatz nicht wirklich ans Licht der Welt kommen wollte. Während des Pressens kam der Kopf schön raus, doch während der Wehenpausen, rutschte er wieder weit zurück. Der Arzt legte nun seine Unterarme auf meinen Bauch und drückte mir während des Pressens, mit voller Kraft auf meinen Bauch, um es sozusagen raus zuschieben. Dies dauerte ungefähr 20 Minuten, bis der Arzt sich dann mit einem Skalpell bewaffnete und während der nächsten Presswehe einen Dammschnitt setzte. Diesen spürte ich zum Glück gar nicht, doch das Geräusch war schlimm genug... . Kurze Zeit später war der Kopf durch und ich konnte ihn schon sehen. Es war ein seltsames Gefühl den Kopf in den Wehenpausen zu sehen, doch den Rest des kleinen Körpers noch im eigenen Körper zu haben. Nach ca. 3 Presswehen war es dann geschafft und unser Schatz wurde mir auf den Bauch gelegt. Dies war ein wunderschöner Moment, den ich nie mehr vergessen werde! | |